Interviews mit dem WMAT-Vorstand

Die Obfrauen – das Führungsduo

Zum ersten Mal in der Geschichte des Vereins teilen sich zwei Frauen die Doppelspitze bei Wikimedia Österreich (WMAT): Unsere langjährige Obfrau, die Anwältin Ulli Zeller, wurde im Amt bestätigt und neu im Vorstand ist seit heuer die Community-Expertin Sonja Fischbauer als stellvertretende Obfrau.

Als Fachfrau für IP- und Urheberrecht, Datenschutz, Medienrecht und Persönlichkeitsschutz bringt Ulli Zeller insbesondere die juristische Perspektive in die Vorstandsarbeit ein. Sie ist Mitglied der Expert*innengruppe für Organisationsentwicklung und daneben auch für die Personalagenden zuständig.

Organisationsentwicklung ist auch ein Spezialgebiet für Sonja Fischbauer: Hauptberuflich wirkt sie in diesem Bereich bei der Open Knowledge Deutschland, einer wichtigen Partnerorganisation im Bereich des Freien Wissens im deutschsprachigen Raum. Sonja bringt jahrelange Erfahrung mit und zahlreiche Kontakte zu gleichgesinnten Communities, mit einem besonderen Fokus auf Open Source und Technik.

Ulli Zeller

Was macht ein Ehrenamt für Wikimedia Österreich für euch attraktiv und spannend?

Ulli: Kurz gesagt: Weil ich finde, dass man*frau die Gesellschaft, in der wir leben, aktiv mitgestalten sollte. An der Tätigkeit für Wikimedia Österreich reizt mich vor allem der Gedanke, einen Beitrag für eine Idee zu leisten, von der wir alle profitieren: Die Möglichkeit, freien Zugang zu Wissen zu haben und damit selbständig – weil informiert – nachdenken und handeln zu können. Dass ich dabei – aufgrund der gemeinsamen Idee – auch mit den unterschiedlichsten Menschen in Kontakt komme, zu denen ich in meiner Alltagsblase kaum Berührungspunkte hätte, macht das Ganze umso spannender.

Sonja: Wikimedia Österreich ist ein großartiger Verein mit einer starken Community und lieben Leuten. Ich bin immer wieder begeistert von der Strahlkraft, die der Verein hat. Neben dem riesigen Beitrag zu Freiem Wissen bietet WMAT auch die Infrastruktur für viele gleichgesinnte Communities, z.B. aus der Netzpolitik und der Open Source Szene in Österreich. Ich bin sehr dankbar, dass es WMAT gibt. Da gebe ich natürlich gerne mein Bestes. Seit knapp einem Jahrzehnt arbeite ich mit ehrenamtlichen Communities – fast immer in der Rolle der Hauptamtlichen. Nun bin ich in meinem eigenen Ehrenamt an einer neuralgischen Position. Ich bin sehr neugierig, was ich aus diesem Perspektivenwechsel lernen werde.

Welche Ziele habt ihr euch für die kommende Amtsperiode gesetzt?

Ulli: Ich würde in den kommenden beiden Jahren einerseits gerne unsere Organisationsstruktur insoweit stärken, als dass diese für aktuelle Herausforderungen möglichst “krisensicher” ist. Das betrifft nicht nur die strukturellen und persönlichen Herausforderungen bei den nun vermehrten Hybrid- und Online-Veranstaltungen oder die Zusammenarbeit mit neuen Partner*innen, sondern auch eine möglichst resiliente Struktur im Verein, die es erlaubt, dass neue Interessierte (z.B. an der Vorstandsarbeit oder anderen Bezugsgruppen) gut andocken können.

Andererseits freue ich mich darauf, unsere Kooperation mit Partner-Organisationen und gleichgesinnten Communities zu stärken und auszubauen, frei nach dem inzwischen viel zitierten Motto “Gemeinsam schaffen wir das!”.

Sonja Fischbauer (Manfred Werner, CC BY-SA 4.0)

Sonja: Ich habe drei Ziele:
Ein Ziel für den Vorstand: Wir haben ein tolles Vorstandsteam, und ich schätze meine Kolleg*innen sehr – alle bringen unterschiedliche Expertisen mit. Mein Ziel ist, an strategischer Planung und Organisationsentwicklung zu arbeiten. Ich werde ein Auge auf Prozesse haben: herausfinden, was sich verbessern lässt, damit es für alle leichter wird. Gern vertrete ich den Verein auch im internationalen Movement.

Ein Ziel für die Community: Ich möchte noch mehr Menschen aus dem Wikiversum, und speziell der deutschsprachigen Community kennenlernen. Zahlreiche Vorstandskolleg*innen sind qualifizierter für die Neulingsgewinnung und Community-Betreuung als ich, doch ich werde unterstützen wo ich kann: Ich will mehr über die Leute erfahren, denen ich als Teil des Vereins diene.

Und ein Meta-Ziel: Ich bin ein Nerd für Dokumentation und strukturierte Abläufe. (Kein Wunder, dass ich bei diesem Verein gelandet bin…) Ein latentes Ziel von mir ist daher, mich ersetzbar zu machen: dass meine Arbeit als Vorstandsmitglied nachvollziehbar und transparent ist, und damit nachhaltig hilfreich bleibt.

Was ist euer liebstes Fun Fact über das Wikiversum im Allgemeinen oder die Wikipedia im Speziellen?

Ulli: Die Wikimedia-Plattform(en) werden immer wieder auch in juristischen Diskussionen als Paradebeispiel für gelungene Entwicklung, Akzeptanz und v.a. Durchsetzung von Regelwerken durch eine Community angeführt, die einen gewissen Kontrapunkt zu den Top-Down-Regelungen bilden, mit denen wir sonst meistens konfrontiert sind. Dieses Bekenntnis der Community bzw. der einzelnen Beitragenden dazu, nicht nur Inhalte beizusteuern, sondern auf sich gegenseitig und die Idee hinter den Projekten zu achten, finde ich faszinierend. Das ist zwar vielleicht nicht gerade ein “Fun Fact” im klassischen Sinn, lässt mich aber auch immer wieder staunen. Und Jurist*innen wird ja ohnehin ein sehr eigener Humor nachgesagt .. 😉

Sonja: Mein Liebling ist die Cuteness Association, die niedlichste Nische im Wikiversum: Eine Mitgliedsorganisation von niedlichen Plüschtieren, die ihre menschlichen Besitzer*innen auf Wikimedia Veranstaltungen begleiten. Die Cuteness Association hat ihr eigenes Logo, eine eigene Wiki-Seite und ist offen für alle, die dabei sein wollen. Auch ich habe ein flauschiges Mitglied der Cuteness Association zuhause, das mich auf Konferenzen begleitet. https://meta.wikimedia.org/wiki/Wikimedia_Cuteness_Association