Wi(KI)pedia. Ein Bericht zum KI-Verbot von Nicole High-Steskal

Am Wochenende von 6. – 8. März fand in Berlin das „Treffen zu KI und Wikipedia 2026“ statt. Der Hintergrund war der Umgang mit KI bzw. dem in der deutschsprachigen Wikipedia beschlossenen KI-Verbot. Wikimedia Österreich-Vorständin Nicole High-Steskal war vor Ort dabei und teilt in diesem Beitrag ihre Eindrücke zum Treffen und ihre Einstellung zum momentanen Umgang mit Künstlicher Intelligenz in der Wikipedia.

Portrait Nicole High SteskalBild: Manfred Werner | CC BY-SA 4.0
Nicole High-Steskal

Im Februar hat sich die deutschsprachige Wikipedia-Community in einem Meinungsbild zum sogenannten KI-Verbot entschieden. Diese Regelung gilt seit dem 16. Februar und wurde von einer deutlichen Mehrheit der Unterzeichnenden befürwortet. Bei der Durchsicht des Meinungsbildes, sowie den Kommentaren der Community-Mitgliedern, die sich zum Thema geäußert haben, war ich verwundert, warum das so passiert. Persönlich habe ich von einem KI-Verbot wenig gehalten, denn für mich stellten sich dadurch mehr Fragen als Antworten: wie soll man sowas durchsetzen? Steigt dadurch nicht die Schattennutzung und macht die Erstellung von Texten in manchen Situationen intransparent? Möchte man sich der KI und den neuen Technologien derart verschließen?

KI-Treffen in Berlin

Mit vielen Fragen bin ich daher Anfang März zum KI-Treffen der deutschsprachigen Wikipedia nach Berlin gefahren. Angesichts der vielen unterschiedlichen Positionen im Meinungsbild, sowie auch in Diskussionsforen, war ich mir unsicher, ob ein Wochenende ausreichen würde, um Menschen zusammenzubringen und konstruktiv bereits in die Arbeit starten zu können.

Das Treffen war nicht nur gut moderiert, sondern auch gut illustriert.

Das KI-Treffen wurde anhand eines früheren Blogposts von mir strukturiert, wobei die Themenfelder “Wikipedia ohne KI”, “Wikipedia mit KI” und “Wikipedia über KI” im Vordergrund standen. “Wikipedia trotz KI” wurde am ersten Tag angesprochen und “Wikipedia und faire KI” nicht thematisiert. Aufgrund der Komplexität der Themen, wurde entschieden Wikipedia ohne KI und Wikipedia mit KI in parallelen Sessions abzuhalten. Ich habe die Schiene “Wikipedia ohne KI” gewählt, da ich ein besseres Verständnis aufbauen wollte für die Argumente für ein KI-Verbot. Im Laufe des Tages wurde mir sehr schnell klar, dass ein KI-Verbot keine grundsätzliche Abneigung gegen KI bedeutet, sondern sich dieses Verbot wirklich auf das Schreiben von Texten mittels generativer KI für die Wikipedia bezieht. Es wurden Beispiele gezeigt, wie es möglich ist, KI als Recherche-Assistenten oder auch zur Überprüfung von geschriebenen Texten einzusetzen. Auch ein hochspannendes Faktencheck-Tool wurde vorgestellt. Ich war beruhigt, denn trotz KI-Verbotes gibt es bereits Use Cases, wie die neuesten Technologien sinnvoll genutzt werden können.

Der Stand der Dinge

Auch die aktuelle Lage innerhalb der deutschsprachigen Wikipedia hinsichtlich KI-generierter Inhalte wurde besprochen. Die genaue Anzahl an KI-generierten Inhalten ist nicht schätzbar, doch laut gezeigten Statistiken steigt die Anzahl an gelöschten Artikeln, die aufgrund von KI-generierten Inhalte entfernt wurden. Einige eindeutige Fälle wurden vorgestellt, um zu zeigen, wie man mit den Texten und den Schreiber*innen umgehen kann. Hier zeigte sich, dass es sehr viele unterschiedliche Gründe gibt, warum Menschen generative KI nutzen, um Texte für die Wikipedia zu schreiben. In vielen Fällen war das Fehlen notwendiger KI-Kompetenzen auffällig, wodurch es den Schreibenden nicht möglich war, Texte aus einer KI korrekt und kritisch einzuschätzen. Aus diesem Grund wurden Maßnahmen besprochen, wie Schreibende während des Bearbeitens von Texten für die Wikipedia auf das KI-Verbot hingewiesen und insbesondere Neulinge auf weiterführende Seiten verwiesen werden, wo sie sich zur Nutzung von generativer KI informieren können.

Das Wochenende hat ein sehr differenziertes Bild zum Thema generative KI und Wikipedia geboten, das der Komplexität des Themengebietes gerecht geworden ist. Es hat auch gezeigt, dass die Community die technologischen Entwicklungen genau beobachtet. Zusätzlich wurden auch Fortschritte im Bereich Wikipedia über KI gemacht. Ein Themenportal ist mittlerweile im Entstehen, wo Artikel zum Themengebiet KI besprochen und entwickelt werden. Da es hier zum Teil auch an Fachexpertise fehlt, wurden erste Kontakte besprochen, damit mit Fachspezialist*innen die Artikel wachsen können.

Das KI-Treffen in Berlin war ein bereicherndes Event, das mir tiefere Einblicke in die aktuelle Situation gewährt hat. Beeindruckend war, dass zum Schluss des Treffens eine geeinte Stimmung herrschte und wir ein gemeinsames Ziel hatten: Wir möchten eine deutschsprachige Wikipedia, die weiterhin eine vertrauenswürdige Quelle für Wissen bleibt, die von Menschen für Menschen geschrieben wird. Ich bin nun auch eine Befürworterin des KI-Verbots, weil es Klarheit schafft, was man sich von der Wikipedia erwarten kann.

Nachsatz

Mit 20. März wurde nun auch in der englisch-sprachigen Wikipedia das Schreiben von Artikeln mit generativer KI verboten. Siehe dazu auch:

Weiterer Bericht über das Treffen: